Alles ein Fake

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China ist bekannt für seine Fälschungen. Man findet kaum eine Jeans, die nicht irgend ein Label kopieren will. Fast auf jedem T-Shirt hängt ein Miss Sixty oder anderes Modelabel, die Socken tragen Nike-Logos. Ganze Shops verkaufen North Face Kleider zu günstigen Preisen. Nimmt man sich die Zeit fürs Feilschen, bekommt man eine Outdoorjacke für weniger als 10 Franken. Die Qualität ist sehr unterschiedlich. Manche Kleidungsstücke machen den Eindruck, qualitativ mit dem Original mithalten zu können. Auch die iPhones, bei denen der Stil des Apfels im Logo auf die falsche Seite schaut, sollten einen guten Dienst erweisen.

Die neusten Filme
Ein Hostel in Yangshuo spielt jeden Abend einen Spielfilm, mit einem Beamer auf eine Leinwand projiziert. Diesmal stand “2012″ auf der Ankündigungstafel. Wir hatten keine Ahnung, was es für ein Film sein könnte, wollten jedoch wiedermal einen “Kinoabend” geniessen, und das erst noch gratis. Der englische Film war chinesisch untertitelt. Der Ton war schlecht. Bei jeder lustigen Szene hörte man ein leises Lachen, wie in amerikanischen Serien, einfach etwas verhaltener.

Am nächsten Tag sahen wir im Facebook eine Statusmeldung: “Heute schaue ich 2012 im Kino”. Wir wussten nicht, dass dieser Film erst jetzt frisch in den Kinos ist. Der Film wurde im Kino aufgenommen, deshalb hörten wir im Hintergrund das Kinopublikum. Die Strassenhändler versuchen uns jeden Tag solche DVDs zu verkaufen, aber dass wir einen solchen Film an einem “öffentlichen Filmabend” sehen würden, hatten wir nicht erwartet.

Welches ist nun die Wasserhöhle?
In Yangshuo gibt es viele Höhlen. Einige sind für Besucher zugänglich gemacht und kosten Eintritt. Die eine “Water cave” soll besonders schön sein. Dort gibt es auch ein Schlammbad und heisse Quellen.

Wir buchten einen Guide für eine Tour mit dem Motorrad. Unter anderem wollten wir die “Water Cave” besuchen. Nachdem wir den Moon Hill besucht hatten, brachte uns Daisy in Richtung Höhle. Es sah hier ziemlich touristisch aus: Stände mit Souvenirs säumten die Strasse. Wir stellten unsere Mofas in einem kleinen Hinterhof ab. Sie erklärte uns, dass der Eintritt normalerweise 300 Yuan koste, sie uns aber einen “Localprice” machen könne. Wir müssten ihr nur je 100 Yuan geben, dann könne sie die Tickets besorgen.

Nach einigen Minuten kam sie zurück mit den Tickets. Die Tickets sind bedruckt mit Fotos, die man hier auf den Werbeplakaten überall sehen kann: Der Eingang der Höhle, der nur mit dem Boot erreicht werden kann, Fotos von Leuten, die sich gerade im Schlamm baden und andere, welche die heissen Quellen geniessen. Auf den Tickets ist eine Warnung, dass es ganz viele gefälschte “Water Caves” gebe, dieses hier sei die echte.

In einem kleinen Raum, Leute guckten TV und die Kohle am Boden erinnerte an eine kühle Nacht zuvor, warteten wir auf den Bus. Ein Kleinbus brachte uns und zwei Chinesen schliesslich zum Eingang der Höhle.

Ziemlich gespannt erwarteten wir unsere Höhlenführung. Wir waren ziemlich sicher, dass wir nun zu einer “Fake-Höhle” gebracht wurden. Am Eingang holte uns ein Boot ab und brachte uns und die beiden Chinesen auf dem kleinen See ins innere der Höhle. Im inneren der Höhle hingen einfache Glühbirnen. Unser “Höhlen-Touren-Leiter” beleuchtete mit seiner Taschenlampe verschiedene Felsen und versuchte uns die versteckten Löwen und Schmetterlinge in den Konturen zu zeigen.

Schlammbad und warme Quellen
Nach dem Rundgang zogen wir unsere Badehosen an und wälzten uns im braunen Schlamm, um uns nachher in den warmen Quellen in der Höhle wieder sauber zu waschen. Die Versprechen des “Wasserhöhle-Erlebnisses” wurden alle eingelöst. Wir fühlten uns nicht aufs Kreuz gelegt, hatten aber trotzdem irgendwie das Gefühl, dass etwas faul war an der Sache.

Ich konsultierte nach unserem Höhlenerlebnis den Lonely Planet. Auch dieser Reiseführer empfiehlt die Water Cave, schreibt jedoch, dass es keine festen Eintrittspreise gibt, man können also um den Eintritt feilschen. Normalerweise sind die Eintrittspreise hier in China fix. Vielleicht haben wir DIE Water Cave gesehen, vielleicht auch nicht. In Yangshuos Bergen sind so viele Höhlen versteckt, dass jeder Dorfbewohner eine Touristenattraktion eröffnen könnte.

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Eine Antwort

  1. greyowl says:

    Dass es ein Fake-Ding gibt, beweist dass es das Original auch gibt. Ob es um North Face-Jacken, iPhones, Water Caves oder Gottesbegegnungen geht. Eine Fake-300er-Note findet man selten.

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