China will Zwei-Kind-Politik

Die chinesische Regierung arbeitet an einer neuen Gesellschaftsstrategie, berichtet China daily. Die 30-jährig Ein-Kind-Politik bringt zwei grosse Probleme mit sich: Überalterung der Gesellschaft und Ungleichgewicht der Geschlechter. Experten schlagen deshalb vor, nach 2011 eine Zwei-Kind-Politik einzuführen.
Mehr Jungs als Mädchen
Zwischen 1980 und 2000 wurden gemäss Statistiken 33 Millionen mehr Jungen als Mädchen geboren. Immer noch spürt man das Patriarchat des alten Chinas. Eltern wünschen sich einen Jungen als “Stammhalter”, deshalb werden mehr Mädchen abgetrieben. Um das Ungleichgewicht wieder auszugleichen, führte die chinesische Regierung vor wenigen Jahren Bussen für Ärzte ein, die das Geschlecht des Kindes bestimmen. Tibet ist die einzige Provinz mit einem ausgeglichenen Geschlechteranteil.
33 Millionen Männer die keine Frauen finden werden zu einer gesellschaftlichen Belastung: Mädchenhandel und Prostitution wachsen.
Florierender Kinderhandel
Bereits heute entführen Kidnapper Tausende von Kinder im Jahr. Sie verkaufen diese an kinderlose oder an knabenlose Ehepaare. Andere Familien kaufen sich auf diesem Weg eine weitere Arbeitskraft. Ein Junge kostet etwa 6000 Franken, Mädchen gibt es bereits ab 500 Franken.
Kinder wieder gefunden
Am 28. Oktober berichtete BBS News, dass die chinesische Polizei in einer sechsmonatigen Kampagne 2000 entführte Kinder aufgespürt hatte. Wir sahen in dieser Zeit hier im Fernsehen oft weinende Eltern, denen die Behörden Kinder in die Arme legten. Die Kinder hatten meistens leere Gesichter und schienen ihre Eltern im ersten Moment gar nicht wieder zu erkennen.
Kinder verkaufen
Manche Eltern wurden noch nicht gefunden. Die Fotos der verbleibenden Kinder lädt die Polizei auf eine Internetseite. Manche Eltern werden sich wahrscheinlich nie melden. Es gibt auch Frauen, die ihr eigenes Kind verkaufen, weil es ihnen Geld bringt. Wegen der Regeln der Ein-Kind-Politik müssten sie sonst viel Geld für ein zweites Kind bezahlen.
Todesstrafe für Kinderentführer
Zwei verurteilte Kidnapper wurden gestern in der Henan Provinz hingerichtet (China daily). Ein 55-jähriger entführte neun Knaben zwischen 3 und 6 Jahre. Der verurteilte 27-jähriger Bauer entführte sechs Kinder, die nicht mal fünf Monate alt war. Er verkaufte sie für rund 3500 Franken pro Kind.
“Menschenkidnapper, die absichtlich Kinder entführen um Profit damit zu machen, werden wir sehr hart bestrafen”, erklärte der Sprecher des Gerichts.
Überalterung
Wenn China die Ein-Kind-Politik weiterführen würde, wären im Jahr 2050 31.1 % der Bevölkerung über 60 Jahre alt. Das Pensionsalter für Männer liegt hier bei 60, für die Frauen bei 55. (2007 waren in der Schweiz 16.6% der Bevölkerung im Pensionsalter).
China daily beschreibt, dass Indien in 40 Jahren 244 Millionen mehr arbeitsfähige Menschen haben wird. Spätestens dann ist China kein Billigproduktionsland mehr.
Bussgeld für die Geburt
In Jangshuo trafen wir Daisy. Sie ist 22 Jahre als und arbeitet als lokale Reiseleiterin. Sie hat drei Geschwister. Zuerst kam ihre Schwester auf die Welt. Ihre Eltern sind Bauern, und weil Knaben auf dem Feld besser mitarbeiten können, durften sie nach vier Jahren noch ein weiteres Kind bekommen. So kam Daisy’s älterer Bruder auf die Welt. Daisy kam als drittes Kind auf die Welt, wäre gar nicht mehr erlaubt gewesen.
Wenn eine Mutter in der Stadt ein zweites Kind bekommt, verliert sie den Job und der Vater muss ein Busse bezahlen.
Auf dem Lande bezahlen die Bauern auch Bussgeld für “überschüssige” Kinder. Beim ersten Kind “zuviel” sind es ca. 3000 Franken, kommt noch ein weiteres Kind dazu, kann die Busse auf das Doppelte ansteigen. Die meisten Bauern können diese Bussen gar nicht bezahlen.
Schuld geht auf Kinder
Daisy’s Eltern konnten die Busse nicht bezahlen. Der Staat fordert nun das Geld von der Tochter. Daisy schloss letztes Jahr ihr Englischstudium ab und versucht als Reiseleiterin Geld zu verdienen. Damit muss sie ihre Schulden beim Staat bezahlen. Die offenen Schulden stehen auf ihrer Identitätskarte. Wenn sie auf die Bank geht, muss sie immer ihre Identitätskarte zeigen. Die Bankangestellten wissen so immer über ihre Schulden Bescheid. So lange diese noch offen sind, wird sie nie einen Kredit oder ähnliches bekommen.
Kinderglück trotz allem
Daisy heisst mit chinesischem Namen “Tang Xing”. Die Chinesen geben sich oft für die Touristen einen englischen Namen. Tang Xing meinte ergänzend zu ihrer Geschichte: “Xing heisst auch lucky”. Als sie auf die Welt gekommen sei, hätten ihre Eltern diesen Namen gewählt, weil sie so glücklich waren. Kein chinesisches Gesetz konnte das verhindern.


















