Der Trishaw-Fahrer


Trishawfahrer gehören zu den besttrainierten Männern in Burma. Der Drahtesel ist ihr Arbeitstier. Im Seitenwagen sitzen zwei Passagiere Rücken an Rücken. Oft haben sie je noch ein Kind auf dem Schoss. Das Gepäck, manchmal ein grosser Juttesack voll Gemüse, bindet der Trishawfahrer auf den Gepäckträger.

Ye (Name geändert) ist einer von ihnen. Täglich sucht er mit seiner Trishaw Kundschaft, die er von A nach B bringen kann. Wie ein Taxi, aber ohne Telefon. Vor knapp einem Jahr heiratete Ye. Seine Frau ist Lehrerin.

Lehrpersonen verdienen etwa 50 Franken im Monat. Yes Einkommen ist abhängig von seinen Fahrgästen. Jeden Monat zahlt er 30′000 Kyat (ca. 30 Franken) für die Miete des Trishaws. Nimmt er mehr als 1′000 Kyats pro Tag ein, verdient er Geld. Für 120′000 Kyats könnte er das Vehikel kaufen, die Mietkosten würden wegfallen. Doch ihr verdientes Geld reicht nur gerade für den täglichen Bedarf.

Touristen bringen mehr Geld
Ye stellte eine kleine Liste mit Stadttouren zusammen, die er den Touristen anbietet. Das bringt mehr Geld als die kurzen Distanzen der Einheimischen. Wir buchen bei ihm eine kleine Tour durch die Stadt, trotz Wasserfestival. Auf der Trishaw sind wir zwar allen Wasserwerfern wehrlos ausgeliefert, aber bei dieser Hitze erträgt man das. Nur die Kamera versteckt sich hinter drei Plastiksäcken.

Ye kennt jede kleine Gasse in der Stadt und weiss, bei welchen Sehenswürdigkeiten wir kein Ticket brauchen. Er freut sich, wenn Touristen ihr Geld nicht in die Regierung investieren wollen, ist selber aber von den Besuchern aus dem Ausland abhängig.

Schwierige Zeiten
„Wir haben uns entschieden, keine Kinder zu haben. Die Zeiten sind zu schwierig“, erzählt Ye. Ihr monatliches Einkommen reicht nicht, um noch ein Kind zu ernähren und später Schulgelder zu bezahlen. „Seit 2007 kommen weniger Touristen, die Situation für uns hat sich verschlechtert.“

2007 kam es im ganzen Land zu Protesten, weil die Gas und Benzinpreise über Nacht bis zu 500% gestiegen waren und die Bevölkerung die Bustickets nicht mehr bezahlen konnten. Buddhistische Mönche zettelten die Proteste an, die Bevölkerung zog mit. Die Regierung schlug die friedlichen Proteste brutal nieder und steckte viele Mönche ins Gefängnis. Sie konnten es nicht verhindern, dass Bilder davon um die Welt gingen. Der Tourismus brach ein.

Man nimmt an, dass die Regierung für den massiven Anstieg der Preise verantwortlich war. Das Militärregime baute 2005 für viele Millionen eine neue Hauptstadt. Der Aufwand sprengte wahrscheinlich ihr Budget, es folgte der Anstieg der Öl und Gaspreise. Wobei die Rohstoffe aus dem eigenen Land kommen. Heute leben die Generalsfamilien in der aus dem Boden gestampften Stadt „Nay Pyi Taw“ in grossem Luxus. Während der grösste Teil der Bevölkerung in tiefer Armut lebt.

Touristengeld
Die seit Jahren zu Hausarrest verdammte, von der Bevölkerung verehrte Aung San Su Ky hält an einem Reiseboykott nach Burma fest. Das Geld würde nur diesen Luxus unterstützen anstatt die Bedürftigen zu unterstützen.

Ich frage Ye nach seiner Meinung: Sollen Touristen nach Burma kommen, wenn sie schlussendlich auch die Taschen der Militärregierung füllen? Ye: „Ja, unbedingt! Wir haben ein wunderschönes Land und es ist schwierig für uns, wenn die Touristen nicht kommen.“ Weiter erklärt er, auch er wolle Geld mit den Touristen verdienen. Aber er sei bereit zu arbeiten und eine Gegenleistung für das Geld zu bringen.

Einige Einheimische erzählten uns, dass während dieser Saision wieder mehr Besucher nach Burma kamen. Ye bestätigt: „Ja, aber die meisten kommen mit Pauschal-Angeboten in Gruppen und reisen mit privaten Bussen, das bringt uns Trishawfahrern nichts. Die lokalen Leute profitieren vor allem von Leuten, die so wie ihr durch unser Land reisen.“

Bevor wir uns verabschieden, fügt er noch bei: „Erzählt Euren Leuten, sie sollen nach Myanmar kommen!“

Diese Geschichte geht morgen noch weiter.
Foto: Trishawfahrer in Yangon warten auf Kundschaft

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3 Antworten

  1. Super Beitrag, Judith!

  2. [...] Geschichte bewegt uns. Wir buchen bei ihm eine weitere Tour. Er organisiert uns ein Taxi mit Fahrer. Wir [...]

  3. Alina says:

    Ich kannte bisher nur Rikschas aus Indien aber diese Trishaws scheinen wohl sowas ähnliches zu sein wenn ich mir das Foto so ansehe. Habe jetzt wieder ein wenig Fernweh bekommen und würde am liebsten auf so einem Ding Burma erkunden. Scheint definitiv eine Reise wert zu sein!

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