Ein nasses neues Jahr


Streetparade in burmesisch, könnte man heute in den Strassen von Mandalay denken. Das burmesische Neue Jahr, auch Wasserfestival genannt, wird gefeiert. Der Unterschied zur Technoparade in der Schweiz: Es dauert vier Tage, ist viel nässer und trotzdem tragen die Teilnehmer mehr Kleidung am Körper.

Sobald wir unser Hotel in Mandalay verlassen, schütten Kinder und Erwachsene eimerweise Wasser über uns oder bespritzen uns mit Schläuchen. Zur Wehr kaufen wir uns zwei Wasserpistolen. Dann stürzen wir uns in die feiernde Menge.

Eine Stadt im Festfieber
Mitten in der Stadt steht der alte Königspalast. Eine Stadtmauer und ein Wassergraben umgeben den Palast. Diesem künstlichen Fluss entlang stehen mehrere Bühnen. Das Wasser wird direkt auf die Bühne gepumpt und von dort auf die Menschenmenge auf der Strasse gespritzt. Laute Musik dröhnt aus den Boxen. Tanzende junge Leute, Motorräder und Pick-ups, mit feiernden Burmesen beladen, bewegen sich langsam von Bühne zu Bühne.

Freude und Schmerz
Uns Ausländern scheinen sie noch lieber Wasser über den Kopf oder den Rücken zu schütten. Lachend wünschen sie uns dazu ein „Happy New Year“.
Die meistgestellte Frage während dem Wasserfestival ist „Are you happy?“ – Ja, die Stimmung ist super, die Leute sind unglaublich herzlich. Ich bin happy, aber tief in meinem Herz spüre ich auch einen Schmerz. Es ist schön mit den Burmesen zu feiern, sie ausgelassen zu sehen. Ich wünsche diesen wunderbaren Menschen, dass sie heute glücklich sein dürfen und für einige Tage die Unterdrückung und Angst im Alltag vergessen können. Ich hoffe mit ihnen auf ein „Happy New Year“.

Mitfahrgelegenheit
Ein paar Jungs fragen uns, ob wir zu ihnen auf den Pick-up steigen wollen. Sam und ich schwingen uns auf den Laderaum und fahren mit dem ganzen Clan durch die Wasserflut.
Als wir die Bühnen hinter uns gelassen haben, setzen wir uns. Einer der Jungs „Sali“ spricht Englisch. Er übersetzt unsere Gespräche. Sein Kollege erzählt, dass er ein Patriot sei. „Sali“ fährt fort, ihre Regierung sei sehr schlecht, aber die burmesischen Leute seien gut.

Mittagszeit
Über Mittag halten wir im Schatten grosser Bäume Zwei Frauen kochen über dem Feuer Nudeln, Reis, Fleisch und Gemüse. Der Fahrer des Pick-ups erklärt, dass er uns einladen und unser Essen bezahlen wolle. Wir wehren uns, wollen das nicht annehmen. Alle versichern uns, es sei ok, Burmesen seien gerne gastfreundlich.
Später fahren sie uns zum Hotel. Wir schenken ihnen unsere beiden Wasserpistolen, ihnen bleiben weitere zweieinhalb Tage in der Wasserschlacht.

Religiöses Fest
Der Beginn des neuen Jahres in Burma richtet sich nach dem Mondkalender und findet Mitte April statt. Die meisten Burmesen sind Buddhisten, ihre Spiritualität ist jedoch häufig vermischt mit dem Geisterglauben ihrer Vorfahren. Jedes Dorf hat seinen Geist, Nat genannt. Während dem viertägigen Wasserfestival wird der König der Nat willkommen geheissen. Er soll die guten und die schlechten Taten der Einwohner zählen. Das Wasser symbolisiert das Abwaschen der Sünden, oder eben schlechten Taten, damit man sauber ins neue Jahr starten kann. Da das Fest auf dem Höhepunkt der Hitzezeit stattfindet, bringt das Wasser auf jeden Fall Abkühlung.

Junge Mönche warten auf Opfer

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