Höhlenwunder in Laos
Die Kong Lor Höhle in Laos ist ein Abenteuer. Ein Fluss kommt aus einem Berg, davor hat er eine 7 Kilometer lange Höhle durchflossen. Mit einem Boot kann man durch die Höhle auf die andere Seite des Berges fahren. Im Film sind die Bilder dazu, im Bericht darunter die Erklärungen und die vielen tollen Nebengeschichten, die Laos zu bieten hat.
Am Morgen früh nehmen wir den Bus von Thakhek nach Nahim. Fünf Frauen sitzen in den vordersten Reihen und bitten uns, gleich hinter ihnen aufzuschliessen. Sie versuchen auf Lao mit uns zu reden. “Kong Lor” sagen wir, sie nicken: “Kong loooor”, eine der Frauen muss auch dort hin. Die nächste Frage stellt eine mollige, Frau mit kurzen Haaren, was bei laotischen Frauen eher selten ist. Sie macht Fäuste, streckt ihre beiden Zeigefinger in die Luft und schmiegt diese zusammen. Wir nicken, zeigen unsere Eheringe und halten auch die Zeigefinger zusammen. Die Fragestellerin übersetzt unsere Antwort für ihre Kolleginnen und alle nicken lächelnd. Die Laoten fragen oft, ob wir verheiratet sind. Vor allem bei sogenannten Homestays kommt die Frage nach dem Zivilstand ziemlich bald, da unverheiratete Männer und Frauen in Laos getrennt schlafen sollten.
Gesetze versus Gastfreundschaft
Etwas später auf der Fahrt schenkt uns die kurzhaarige Mama eine grüne Mango mit salzigem Gewürze und zerbricht ihren Maiskolben, um uns eine Hälfte zu geben. Die Mango war bereits geschält und in Schnitze geschnitten. Ich brach das Gesetz ‘Boil it, cook it, peel it or forget it’ und genoss das Geschenk. Immodium wird es wieder stopfen.
Von Nahim zur Kong Lor Höhle
Im Bus sitzt noch Lisa. Ihr Akzent erinnert mich an meine Schwiegermutter Riitta. Bingo, Lisa kommt auch aus Finnland. Sie schliesst sich uns für den Tagestrip an. In Nahim müssen wir noch ein Jumbo-Taxi nehmen. Das Taxi ist ziemlich schnell voll, wir fahren los und drehen eine Runde um den Markt, halten wieder genau dort an, wo wir bereits starteten. Der Fahrer steigt aus und setzt sich in den Schatten. Die meisten Fahrgäste tun es ihm gleich, lassen ihre Kartoffel- und Gemüsesäcke im Jumbo liegen. Wir warten, keine Ahnung, wann es losgeht. Nach etwa 45 Minuten kommt Bewegung in die Sache. Ein anderer Fahrer kommt, die Leute steigen wieder ein und der erste Fahrer stellt sich hinten auf’s Trittbrett um Geld einzuziehen. Endlich bringt uns das Jumbo zur Kong Lor Höhle.

Im Bauch des Berges
Wir bezahlen den Eintritt und das Boot mit den beiden Schiffsmännern. Die kleinen Holzboote können höchstens drei Passagiere mitnehmen, wir sind also ausgebucht. Viele Boote bleiben am Steg, es hat nur wenige Touristen.
Zwei Schiffsmänner begleiten uns. Wir folgen ihnen dem Fluss aufwärts. Nach 200 Metern verschwindet der Fluss in einem Berg. Von hier aus führt uns das Motorboot in den Bauch des Berges. Bald ist der Höhleneingang verschwunden und es ist stockdunkel, nur die Stirnlampen unserer Schiffsmänner leuchten in die Dunkelheit und lassen Felsen im Wasser aufleuchten.
Beleuchteter Abschnitt
Nach einer Weile kommt ein beleuchteter Abschnitt. Wir steigen aus dem Boot und können die Stalagmiten und Stalaktiten zu Fuss erkunden. Danach verschwinden wir mit dem Boot wieder im Dunkel von Kong Lor.
Viele Untiefen
Im Moment führt der Fluss sehr wenig Wasser. Zwischendurch müssen wir aus dem Boot steigen und mit den Sandalen ein Stück durchs Wasser waten. Die drei Gentlemänner schieben unser Boot durch das Kies im Flussbett.
Der Fluss macht einige Schlaufen in der Höhle. Nach einer weiteren Kurve erblicken wir weiter vorne ein helles Loch, dass sich im Wasser spiegelt. Wir fahren dem Licht entgegen. Nach sieben Kilometern und mehr als eine Stunde in der Dunkelheit verlässt unser Boot das schwarze Loch und fährt in ein grünes Tal. Der Moment fühlt sich an, wie wenn man vom Liebsten nach langer Trennung in die Arme genommen wird. Die Sonnenstrahlen wärmen, die Vögel zwitschern und der Blick schweift in die Höhe zu den Bergen.

Touristen-Erfrischung
Eine kurze Weiterfahrt bringt uns an eine Anlegestelle, wo Getränke verkauft werden. Nach der Coca Cola-Runde fahren wir zurück in den Tunnel und erreichen wieder unseren Ausgangspunkt. Dort wartet bereits unser Homestay-Gastgeber auf uns. Wir laden unser Gepäck in sein Holzboot und fahren mit ihm in sein Dorf.
Kong Lor Dorf
Die Häuser auf dem Land stehen meistens auf Stelzen, da während der Regenzeit oft das Wasser der Flüsse sehr hoch ansteigt. Bevor man zu Treppe zur Wohnfläche hinauf steigt, zieht man die Schuhe aus. Wir setzten uns auf die Strohmatten, die auf dem Holzboden ausgelegt sind. Unser Gastvater “Hik” (oder so ähnlich) serviert uns aufgeschnittene Gurken mit Soyasauce, dazu “Laolao”. Normalerweise sieht dieser Reiswein wie Wasser aus, diesmal hat er aber eine bräunliche Farbe wie Brandy. Er füllt eine Tasse und reicht sie Sam. Frisch gefüllt kommt die Tasse zu mir. Im “Laolao” liegt ein braunes Kegelchen, welches ich in der Tasse zurück lasse. “Hick” lässt das Kegelchen zurück in die Flasche fallen. Nach dem Trinkritual formt er mit seinen beiden Zeigefingern zwei Hörner auf dem Kopf und gibt uns zu verstehen, dass dies Büffel-Laolao ist. Jetzt schmecken wir die Büffelscheisse, die unter anderem an zerkautes Stroh erinnert. “Hick” blättert im Schulheft seiner Tochter und zeigt auf einen Löwen, gleichzeitig spannt er den Bizeps: Büffel-Schnaps macht also stark.
Waschzeremonie
Mit einem blauen Plastikkorb unter dem Arm, begleitete uns Tochter “Moche” zum Fluss. Im Korb liegen Seife und drei Tücher. Ich binde mir das Tuch um und ziehe die Kleider darunter aus. Bei den Laotinnen sieht das sehr einfach aus, ich finde es kompliziert. “Moche” und ein Nachbarmädchen finden unsere Waschzeremonie lustig.
Bier trinken um die Welt zu verbessern
Frischgebadet kommen wir zurück zum Nachtessen. “Hick” fragt uns, ob wir noch Bier Lao möchten. Für uns ist das eine gute Möglichkeit das Dorf zu unterstützen. Kein Witz. Neben dem tollen Erlebnis der Homestays bieten diese die Möglichkeit, Geld bei den lokalen Leute direkt zu investieren. Bei organisierten Trekkings mit Homestay darf jedes mal eine andere Familie das Bier verkaufen.
Ein paar Häuser weiter führt eine Familie einen kleinen Shop im Haus. Wir setzen uns zu ihnen auf den Boden und bestellen Bier. Es kommen noch einige Dorfbewohner dazu, bis wir etwa zu zwölft im Kreis sitzen. Wir spendieren Bier und sie schenken uns Büffelschnaps ein.
Unter dem Moskitonetz
Bevor wir zu Bett gehen, klärt “Hick” noch unseren Zivilstand. Dann weist er Sam und mir ein Moskitonetz mit zwei Matten darunter zu. Lisa bekommt das Mückennetz nebenan. Ein Tuch grenzt unser Schlafgemach von ihrem ab. “Hick” erklärt: “Tomorrow, Kafeh”, hält mit seiner Hand pantomimisch eine Schale in der Hand und löffelt sich etwas ins Mund. Ich zeige auf mein linkes, Handgelenk und frage: “Time?”. “Hick” schreit “Kickerickiii” und streckt sechs Finger in die Höhe.
Fast Schweizerische Pünktlichkeit
Nachdem der Hahn bereits um 4 Uhr und um 5 Uhr schrie, löst er den versprochenen Weckruf um 5.50 Uhr noch ein. Zum Frühstück gibt es süssen Kaffee und Nudelsuppe. Eine Stunde später hupt es vor dem Haus. Das Sammeltaxi ist hier, um Leute von Kong Lor nach Nahim zu bringen. Wir bedanken uns herzlich für den wunderschönen Homestay und fahren mit dem Jumbo zurück Richtung Vientiane.


Wo habt ihr eigentlich immer den wunderschönen asiatischen Sound her?
Diese Musik ist von freeplaymusic.com, also nicht unbedingt asiatisch. Für die Filme in China hatte ich eine CD gekauft und Angkor Wat ist auch mit Musik unterstrichen, die ich vor Ort gekauft habe.
Gerade vor einer Stunde kaufte ich eine Classique Musique Laotienne hier in Vientiane. Leider kann man die CD jeweils nicht anhören und kauft die Katze im Sack.
Cool. Da habt ihr bis am Ende ja eine hübsche kleine Sammlung lokaler Trouvaillen…:)
Das beste daran nämlich ist: wenn du sie dir zu Hause wieder anhörst, weisst du genau wieder wo du diesen Song das erste Mal gehört hast, wie es schmeckte, was die Temperatur war, die ganze Atmosphäre. Besser als jedes Foto…:)
Tolles Video und sehr interessanter Stimmungsbericht! Da hat man das Gefühl, als wäre man selber dort