Kulinarisches aus dem Land der Mitte
So gross wie das Land ist, so verschieden sind auch die Essgewohnheiten. Man unterscheidet zwischen vier oder acht Küchen. Gemeinsam essen ist für die Chinesen eine der wichtigsten Freizeitbeschäftigungen. Um 18 Uhr sind die Tische in den Restaurant besetzt mit jungen und alten Menschen, die lachen, laut reden, essen und rauchen – alles gleichzeitig. Zuhause kochen ist hier nicht unbedingt günstiger. Händler am Strassenrand grillieren, backen und garen, “Take away Food” gehört hier zum Allltag.
Europäische Bestellung
Eine breite Auswahl an chinesischen Gerichten probierten wir in einem Restaurant in Peking. Wir verabredeten uns mit Matt und Casey, ein Ehepaar aus Boston und mit Dänu und Esthi aus der Schweiz. Alle vier hatten wir im Zug von Moskau nach Irkutsk getroffen. Gleich zu Beginn wurde Grüntee serviert, der gehört zu jedem Essen. Dann suchte sich jeder einige leckere Gerichte aus: Pekingente, gefüllte Teigtaschen, gemischte Gemüse. Sam und ich bestellten unter anderem Poulet Sweet und Sour, Dänu und Esthi bestellten neben weiteren Beilagen das gleiche süss-saure Poulet, was beim Servierpersonal einige chinesische Fragen hervor rief. Die wir mit Kopfnicken bejahten. Als Matt und Casey das gleiche Gericht noch ein drittes Mal bestellen wollten, wurden ihre Fingerzeichen noch etwas energischer. Wir liessen es dann bei zwei süss-sauren Gerichten.
Chinesisches Gemeinschaftsmahl
In China bestellt niemand ein Menue nur für sich. Man wählt gemeinsam, kombiniert und bringt Passendes zusammen. Die Ausgewogenheit der Speisen beruht in China auf einer bestimmten Lehre der fünf Elemente. Die Lehre kommt aus der chinesischen Medizin und durchdringt das ganze Denken im Alltag. Beim Essen sind die fünf Geschmacksrichtungen vor allem wichtig: Sauer, bitter, süß, scharf und salzig. Die verschiedenen Gerichte stehen schlussendlich in der Mitte des Tisches und jeder bedienst sich dort.
Unsere doppelte oder dreifache Bestellung von Sweet an Sour machte für das Personal deshalb keinen Sinn. Wahrscheinlich war unser Essensbestellung auch in einem extremen Ungleichgewicht.
Essen für drei Grossfamilien
Die europäische Bestellweise kombiniert mit dem chinesischen “alles gehört allen” bescherte uns ein wahres Schlaraffenland. Jeder von uns hatte durchschnittlich eine Schüssel Gemüse, ein Platte Fleisch, Reis und dazu noch Gebäck bestellt, und all diese Schüsseln dampften nun in der Mitte unseres Tisches. Als uns das Ausmass der Bestellung klar wurde, konnten wir nichts mehr Rückgängig machen, alles war bereits zubereitet. Also schlemmten wir (schmatzen und schlürfen gehören hier zum guten Ton) uns durch die nordchinesische Küche.

Reste als Kompliment
Wir hatten keine Chance alle Leckereien zu verspeisen. Pilze und Sojasprossen, grillierte Ente und natürlich Chicken Sweet and Sour blieben übrig. In China nicht weiter schlimm: Reste übrig lassen ist höflich und ist kein Hinweis, dass es nicht schmeckte. Im Gegenteil: Als Gast sollte man immer einen Rest stehen lassen. Ein leerer Teller würde bedeuten, der Gastgeber hätte zu wenig gekocht, was für ihn eine Schande wäre.
Das Essen kostete inklusiv Reiswein pro Person 7.50 CHF.



Asiatische Gemeinschaftsmahle sind meines Erachtens einfach genial! Man kann von jeder und jedem alles kosten. Eben sehr neuzeitliches Denken, ‘You are what you share’ (^_^) Well, am I a pig if I share pork? Okay, vielleicht nicht genau so, aber ihr wisst was ich meine.
Ich finde diese Art zu essen auch genial. Ist irgendwie noch gemeinschaftlicher und wirklich sehr abwechslungsreich. Dein Motto “you are what you share” zitieren wir oft auf unserer Reise, finde ich recht cool.
Es isch ja super luschtig oi Gschichte ds läse, ich freue mich immer wänns öpis nois druf hät! Zum Glück sind ihr so fliessig
@Sandra Danke für Dis Feedback. Isch motivierend z ghöre, dass d Lüt de Blog gern läsed. Es macht eus also würklich au Spass da z schriebe:-) Isch au es guets Tagebuech für eus.
als wir in Peking einfach jeder für sich etwas bestellen wollten, stiess das auf grosses Unverständnis bei den chinesischen Kellerinnen. Sie sprachen kaum Englisch, wir kein Chinesisch und so standen sie zu viert um uns herum und beide Seiten waren ratlos. Zum Glück konnten wir uns nur wenige Stunden eines besseren belehren lassen: eben man bestellt verschiedene Gerichte und jeder nimmt von allem