Landeier in einer Metropole

Zug Peking -LhasaAufgewachsen in einem Land ohne Metro unterschätzen wir die Distanzen in Peking. Um 21.30 Uhr fährt unser Zug am Bahnhof West nach Xi’an. Wir rechnen eine halbe Stunde für den Weg vom Hostel zum Bahnhof und wollen eine halbe Stunde früher dort sein.

20.35 Uhr: Wir verlassen die “Red Lantern” und spazieren zur U-Bahn Station – Tickets lösen- Gepäck scannen – auf Metro Linie 4 warten – 4 Stationen…

9.05 Uhr: Umsteigen auf Linie 1 – Sprint- U-Bahn knapp erwischt – 4 Stationen und dann wartet noch ein kleiner Fussmarsch auf uns… Wir sind schon jetzt ausser Atem. Wie können wir das noch schaffen? Tickets mit reservierten Betten sind bezahlt.

9.17 Uhr: Aussteigen aus der Metro, welchen Ausgang müssen wir nehmen? Ich frage ein Chinese nach der Railwaystation, er zeigt in eine Richtung, dort finden wir ein Taxi, der Fahrer versteht kein Wort Englisch. “Huǒchēzhàn” ertönt es aus Sam. Dieses Wort hatte er sich bereits als Kind ganz tief eingeprägt. “Huǒchēzhàn” wiederholt er heute noch oft wie ein Mantra, zu beliebigen Tageszeiten. Hundertmal gehört auf der Kinderkassette über Gladys Aylward, die mit der Transsibirischen Eisenbahn nach Wladiwostok fuhr und von dort nach China reiste. Und dieser Wortschatz half uns in der Stunde der Eile weiter…

Der Fahrer versteht, er bringt uns hupend durch Hintergässchen zu einer Unterführung, dort sind wir wieder uns selbst überlassen. Wir stehen unter dem Bahnhof, aber wo fahren die Züge? Spurten mit riesigen Rucksäcken.

9.24 Uhr: Wir stehen vor dem Bahnhofsgebäude. Erneut müssen wir unser Gepäck scannen und dann das richtige Gleis finden. Wir zeigen unser “piào” / Ticket. Die Leute weisen und den Weg bis wir an einem Gate mit einigen Gleisen stehen. Die Türe ist verschlossen. Ein Mitarbeiter der chinesischen Bahn eilt mit dem Schlüssel herbei und öffnet uns das Tor. Er zeigt uns die Richtung und ruft “four”. Bei Gleis vier rennen wir die Treppe herunter zum Zug, auf dem Schild steht “Lhasa”. Wir hüpfen in den Zug, zeigen das Ticket, der Schaffner nickt und bittet uns weiter zu gehen. Sind wir wirklich richtig? Wir fragen eine andere Person, zeigen Xi’an auf unserem Ticket, er nickt. Gleich im nächsten Wagen ist unser “Hardsleeper-Abteil”. Keuchend setzen wir uns auf die Sitze. Der Zug fährt los.

Dank an:
Alle die uns hier so schnell geholfen haben, dass wir den Zug noch erwischt haben.
Ein besonderer Dank gilt ERF Medien. Mit Eurer Kinderkassette von Gladys Aylward habt ihr Sam wichtige chinesische Wörter beigebracht: Bahnhof, Zug, Ticket, chumm, chumm, chumm, keini Wanze, keini Flöh;-) Super, dass ihr nicht einfach etwas erfunden habt.

noch das richtige Gleis finden sollten.

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5 Antworten

  1. greyowl says:

    Lustig, lustig! Meine Arbeitskollegin – als sie hörte, dass Ihr in China unterwegs seid – erzählte von einem spannenden Buch, das sie beim Aufräumen der Sachen ihrer versorbenen Mutter (?) gefunden hatte. Ich glaube, es hiess “Die unfähige Frau”, eine Frau, die als Missionarin nach China gehen wollte und von allen abgelehnt wurde, die dann auf eigenem Fuss dorthin reiste, allerlei aufregendes erlebte und schlussendlich während dem Krieg mit Russland eine Horde Kinder durch die verschneiten Berge retten konnte. Ja, es war Gladys Aylward!

  2. riitta says:

    Chapeau, Sam , dass du die Kassette nicht vergessen hast!
    Spannend eurem Weg zu folgen!

  3. Judith says:

    Die Kassette hat er ganz und gar nicht vergessen. Bevor wir überhaupt eine Ahnung davon hatten, dass wir jemals nach China gehen würden, sprach Sam bereits von Huǒchēpia. Hätte aber nie gedacht, dass diese Sprüche uns auch mal was bringen würden;-)

  4. blicki says:

    ich kenne die kassetten (warens nicht zwei?) noch heute fast auswendig. ‘gib mer das kind’!

  5. ja, diese kassetten haben auch bei mir das erste Mal Fernweh geweckt, nehme ich an… :-)

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