Soll man nach Burma reisen?
Unterstützt ein Burma-Tourist mit seinem Geld ein brutales Militärregime? Ja!
Damit dem “Ja” ein “Aber” folgt, muss man sich im Vorfeld über die Reisemöglichkeiten im Land informieren, damit man sein Geld auch positiv einsetzen kann. Eine Burmareise braucht deshalb Zeit für eine gute Vorbereitung, auch noch aus anderen Gründen. Wir fliegen morgen, am 8. April 2010, nach Yangon.
Soll man überhaupt nach Burma reisen?
Die Oppositionspolitikerin Aung San Suu Kyi, die seit Jahren unter Hausarrest steht, beantwortet diese Frage mit einem klaren “nein”. Sie ist überzeugt, dass die Gelder aus der Tourismusbranche direkt in die Taschen der Junta, dem Militärregime von Burma, fliessen. Sie sagt auch, dass Touristen nie das wirkliche Burma sehen könnten. Sie würden zwar die schönen Tempel und die wunderbare Landschaft bestaunen, aber all die Menschenrechtsverletzungen, würden ihren Augen verborgen bleiben. Weiter vertrieb die Regierung viele Menschen von ihrem eigenen Land, um Platz für Hotels und andere touristische Bauwerke zu schaffen.
Diese Voten sprechen klar gegen eine Reise nach Burma.
Vor Ort in die Bevölkerung investieren
Es gibt aber auch andere Stimmen. In einer Arte-Reportage forderte ein Burmese die Zuschauer auf in sein Land zu kommen: „Teilt mit uns das Herz und lasst uns wissen, dass die Welt uns nicht vergessen hat.“
Ein ehemaliger, burmesischer Reiseleiter (Quelle Lonely planet) beschreibt die positive Wirkung des Tourismus wie folgt:
„Für die Burmesen ist der Tourismus ein seltenes Fenster, durch das sie in die Welt ausserhalb Burmas schauen und über sie lernen können. Kein elektronisches Medium würde einen solchen Blick zulassen. Touristen die sich Zeit nehmen, um mit den lokalen Leuten zu reden, bringen neue Ideen, und Ideen sind Sauerstoff.“
Wer bewusst reist, kann mehr Geld in die Bevölkerung investieren als ins Militärregime. Früher gab es für Ausländer eine extra Währung. Auf diese Weise floss alles Geld von ausländischen Besuchern zur Junta. Diese Währung wurde 2003 abgeschafft. Seither öffneten neben den staatlich geführten Hotels viele private Gästehäuser und private Busunternehmen.
Gutes Reisehandbuch
Der Myanmar Lonely Planet geht sehr sensibel mit diesem Thema um. Er listet nur private Hotels auf und beschreibt, welche öffentlichen Verkehrsmittel von der Regierung geführt werden und welche in privaten Händen sind. Wer seine Nächte und Fahrten bei Privaten bucht, kann viel von seinem Geld direkt in die Bevölkerung investieren, im Idealfall bis zu 80%.
Das Regime ganz zu umgehen ist leider nicht möglich. Mit dem Kauf von zwei Visas haben wir bereits 40$ ins Militärregime investiert. Private Gästehäuser müssen 12% Taxen an den Staat abgeben. Eintritte für Sehenswürdigkeiten fliessen direkt zur Juntas.
Wir möchten deshalb in Burma weniger den Sehenswürdigkeiten nachrennen, sondern uns Zeit nehmen, auch auf abgelegenen Wegen zu reisen.
Welche weiteren Vorbereitungen eine solche Reise braucht, könnt ihr in den nächsten Beiträgen lesen. Morgen geht es um Visas.


Ich hoffe, Ihr findet die “abgelegenen Wegen” und könnt Eurer “Geld in die Bevölkerung investieren”…
Das mit den abgelegenen Wegen ist eben schlussendlich genau das Problem, nehme ich an.
Ich kenne Myanmar zwar nicht, stelle mir die Auswirkungen der Restriktionen aber ähnlich wie in Tibet vor. Und das grösste Problem in Tibet, ist das individuelle Reisen. Auf legalem Weg gibt’s nichts «wirklich» individuelles. Und auf illegalem Weg bringt man laufend die lokale Bevölkerung, die einem hilft oder mit einem zu tun hat, in Gefahr. Wir haben beides ausprobiert. So oder so bleibt schlussendlich ein bitterer Nachgeschmack. Schade.
@Beni Es geht in diese Richtung wie Tibet, ist aber trotzdem etwas anders. In Burma kann man ohne Permitions reisen, aber vor allem zu den Touristenorten, wo man dann halt Eintritte bezahlt. Man kann aber auch auf einigen Wegen reisen, die nicht so touristisch sind und trotzdem ohne Erlaubnis bereisbar sind.
Wir werden auf jeden Fall keine Extraerlaubnis kaufen. Bei diesen muss man meisten eine teure Tour dazu buchen, die auch von der Regierung organisiert werden und etwa 1200 Dollar fuer vier Tage kosten. Das waeren dann die Orte, wo sehr wenige Touristen hingehen, aber Du siehst nur das, was die Regierung Dir zeigen will.
Der bittere Nachgemschmack bleibt wohl. Wir haben eine Flug nach Mandalay gebucht. Wir wollten Air Mandalay, da diese nach Lonely Planet eine private Airline ist. Gestern erfuhren wir von einem Burmesen, dass diese Gesellschaft unterdessen auch der Regierung gehoert. Da machte sich auch Entauschung breit. Das Guesthouse hatte und zwar dann ein Ticket fuer Yangon Airline organisiert, welche nach LP auch privat waeren, was aber wahrscheinlich auch nicht ganz stimmt. (Die Fluege kosten bei allen Anbietern gleich viel).
Wir werden also keine Wege suchen, wo wir in verbotene Gebiete gehen und Einheimische in Gefahr bringen. Schwierig ist eher, dass die Leute hier gar nicht zu unterscheiden verstehen. Wenn ich frage, ob ein Guesthouse privat ist, schauen sie mich mit grossen Augen an. Als wir gestern einem Freund hier erzaehlten, dass wir die goldene Pagoda, das Wahrzeichen von Yangoon nicht anschauen wollten, weil wir das Geld nicht in die Regierung investieren wollten, verstand er das irgendwie nicht so ganz. Obwohl er nebenbei mal erwaehnte, dass letztes Jahr 60000 Touristen die Pagoda anschauten und man sich ja ausrechnen koenne, was die Regierung daran verdient haette.
Ah, interessant, danke für die Info Judith.
Klingt schon ähnlich wie in Tibet. Jetzt stell dir noch dazu vor, dass die unterdrückende Regierung nicht die Burmesische ist, sondern die Chinesische (wie eben in Tibet). Dann kannst du vielleicht einen meiner ersten Kommentare auf eurem Blog nachvollziehen, wo ich mich über schöne Nachrichten aus China freute, da ich nach Tibet fast nichts sympathisches an China mehr finden konnte (was natürich auch falsch ist).
Der Slogan an der Tibet-Kundgebung am Samstag auf dem Münsterhof war: Die Schweiz für Tibet – Tibet für die Welt.
Der Dalai Lama führte in seiner Rede das noch etwas genauer aus: Es geht nicht nur um Tibet selbst, es geht um Tibet als Beispiel für ein respektvolles friedliches Nebeneinander aller Religionen.
In diesem Sinne: FREE TIBET!
Ich hoffe unser Blog wird nun nicht gleich gesperrt wegen Deinem Kommentar;-) http://www.steinis.ch funktioniert in Burma nicht. Sam schrieb da mal was über free B…
Stimme aber mit Dir überein.