Stille Örtchen

Eigentlich sind wir alle froh, wenn die Toiletten sauber sind. Still? Muss nicht sein. Aber wenn im Zug die Chinesen ihr “Morgen-Chodern” machen, dann ist es mir manchmal auch zu laut: Tief Luft holen, die Luft mit aller Kraft durch die Stimmbänder pressen, damit der Schleim dort in den Mund katapultiert wird. Ihr wisst, was ich meine, oder? Und dann wird er ausgespuckt. Ich weiss gar nicht wie man dem auf Hochdeutsch sagt. Chchchodern ist das passende Wort.
Also eigentlich bin ich froh, wenn sie das auf der Toilette machen. Weil manche Chinesen spucken überall hin: Im Zug auf den Boden, im Supermarkt, in der Küche des Restaurants… Die jüngere und vor allem die städtische Bevölkerung verabschiedet sich langsam von dieser Gewohnheit. Auf neuen modernen Plätzen gibt es auch Spuckverbote.
Wo bitte ist…?
Eigentlich wollte ich ja über das stille Örtchen schreiben. Ja, komisches Thema. Aber für uns Frauen ist doch die Frage nach Toiletten extrem wichtig. “Ce suo zai nar?” lernte ich ziemlich schnell. “Wo ist die Toilette?” auf chinesisch.
Wer freut sich nicht nach langen Ferien im Ausland auf die eigene gemütliche Toilette Zuhause?
Kein gemütliches Sitzen
In China muss man sich vor allem zuerst an die Stehklos gewöhnen. In den Hostels gibt es zwar meistens europäische Sitz-WC’s. Aber in öffentlichen Toiletten, inklusive mc Donalds oder Zug-toilette, muss man sein Geschäft in der Hocke, also nicht sitzend erledigen. Die Chinesen bevorzugen diese Toilette. Eigentlich ist es hygienischer, da nicht alle ihren Hintern auf die gleiche Klobrille setzen. In Wikipedia wird ziemlich witzig beschrieben, was für uns ungeübte “Hockklo-Benutzer” die Nachteile sind:
- Menschen, die nicht hocken können, finden keine entspannte Körperhaltung und müssen in „Skifahrerhocke“ oder halb stehend defäkieren. Neben der Anstrengung, die dies bedeutet, können Toilette und benachbarter Boden leicht durch „schlechtes Zielen“ verschmutzt werden.
- Bei Problemen mit dem Gleichgewicht kann man leicht ausrutschen und hinfallen.
- Beim Tragen einer Hose sollte diese nur bis zu den Kniekehlen heruntergezogen werden, andernfalls besteht die Gefahr einer Verschmutzung. Andererseits sollte diese jedoch bis dahin heruntergezogen werden, da sonst die Gefahr besteht, dass Gegenstände wie Schlüssel, Münzen etc. herausfallen könnten.
- Bei Durchfall ist das Risiko einer Verschmutzung sehr groß.
Ich kann alle Punkte bestätigen. Manchmal pinkelt man einfach in eine Wasserrinne im Boden. Nicht immer hat es einzelne Kabinen mit Türen. Manche Stehplätze sind nur durch eine ein Meter hohe Mauer getrennt. Was mir dann zwar ziemlich peinlich ist, aber den Vorteil bietet, dass ich bei den anderen Frauen kurz eine Anwendungshilfe erspähen kann. Und diese sind recht entspannt, lesen und schreiben SMS beim Wasser lassen. Allzu bildlich müsst ihr Euch das jetzt nicht vorstellen, man sieht auch nicht viel:-)
Hauptsache eine Toilette
Lieber ein solche Toilette als gar keine. In den Städten gibt es hier an jeder Ecke öffentliche WCs. Der Stadtplan von Xian ist übersät mit rosa Punkten: Ein dichtes Netz von Toiletten für jedermann/frau, kostenlos. In den hintersten Gässchen der Hutongs (alte Quartiere) findet der Suchende Erleichterung.
Halbprivat oder halböffentlich?
Diese Aborts wurden nicht für Touristen oder andere Besucher gebaut, sondern für die Anwohner. Während der Kulturrevolution pferchten Mao und Co. Familien in Quartiere und Unterkünfte. In Ein-Familienhäusern wohnten nun plötzlich fünf Familien. Eine Toilette für nur eine Familie wäre zu kapitalistisch gewesen, deshalb baute die Kommunistische Partei grössere Toilettenanlagen, welche die zugewiesenen Familien miteinander teilten.
Ich nehme an, dass einige Bewohner in den Hutongs noch heute für ihre intimeren Geschäfte nur diese Toiletten haben. Für Reisende sind diese Einrichtungen sehr praktisch.



Ich glaube ich habe das mit dem Chodern nicht ganz verstanden. Wäre froh um mehr Details…. Use multimedia!
Hier in NE-Brasilien scheinen die WCs überhaupt nicht wichtig zu sein. Oft ist die Bar top, aber sicher schmutzig, ohne Klobrille und WC-Papier etc.
Schweinehunde, die Brasilianer! Stimmt aber nicht: Man sieht oft Leute die Türen mit Taschentüchern in der Hand öffnen, Sandwiches werden beim Essen nur mit Servietten berührt, Pommes Frites isst man mit Zahnstochern…
Wie ist das hygienebewusstsein der Chinesen?
ehm… nein danke zu Multimedia zum Thema Chodern…
– es lieber selbst in China erleben… Und mir käme da auch kein Wort in den Sinn, das es besser beschreiben würde, Judith
Ja, das stimmt, lieber ein Steh-Klo als gar keines. Die Chinesen nehmen’s ja mit dem Anstehen nicht so genau – jedenfalls nach westicher Sicht nicht. Da war ich mal auf einem Klo soeben in die Hocke gegangen, da wollte schon die nächste Frau die Türe zu meinem “Abteil” öffnen, die sich leider nicht abschliessen liess. Also musste ich irgendwie das Gleichgewicht halten und dazu noch die Tür zuhalten. Und nebenbei noch mein Geschäft erledigen…
Schönes Wochenende
Mirjam
@Mirjam Ich sehe, Du weisst wie es läuft und kannst mir nachfühlen:-)
@ chlori Ist nicht einfach, das Chodern auf die Kamera zu bringen, das geht meistens ziemlich schnell und ich möchte den kleinen glitschigen Frosch nachher nicht auf der Kamera haben;-) Aber es ist nicht einfach, ihn nirgends tonmässig auf dem Film zu haben…
Mich dünkt, in China wird es allgemein nicht unbedingt so genau mit der Sauberkeit genommen. Aber andere Travelers erzählten von Shanghai und Hong Kong, dass zwar weniger “choderet” wird, aber es auch vorkommt und auch in die die Nase in die Hände putzen noch vorkommt. Auf der anderen Seite werden am Lift die Knöpfe geputzt, nachdem Du einen von den Knöpfen mit dem Finger berührt hast.