Teekultur
Tee begleitet jeden Chinesen durch den Tag, hier in Chengdu ist es der Grüntee. Es gibt verschiedene Grüntees, vor allem der Jasmintee erfreut sich grosser Beliebtheit: Grüntee angereichert mit Jasminblüten.

Tee zum Essen
Im Restaurant stehen die kleinen Schüsselchen stets bereit. Setzt sich der Gast an den Tisch, füllen Teekannen gleich die Schälchen. Manchmal bleibt der Teekrug auf dem Tisch stehen, manchmal kommt das Personal wieder nach. Eine Knigge-Regel verbietet das Nachfüllen des eigenen Tees. Dafür ist der Tischnachbar zuständig. Jüngere, urbane Chinesen halten sich heute jedoch nicht mehr an diese Kultur. Der Tee bleibt ungesüsst.
Tee für unterwegs
Anstatt Morgenpendler mit Kaffee-Pappbechern, sieht man hier die Leute mit verschliessbaren Teegläsern. Sie tragen diese den ganzen Tag mit sich. Diese gibt’s in den verschiedensten Materialien und Preisklassen. Vom leeren “Silberzwiebelglas”, über tupperware-mässigem Plastikschüttelbecher bis metalligen Thermoflaschen. Das Teekraut bleibt den ganzen Tag im Behälter, neues heisses Wasser brüht den Tee jedoch immer wieder frisch auf. Die Gläser sehen jeweils wie ein Aquarium ohne Fische aus.
Gratis nachfüllen
Heisses Wasser bekommt man fast überall. In jedem Zugwagon ist ein Heisswasserboiler angebracht. In der chinesischen Oper schlängelt sich jemand während der Vorführung mit einer grossen Teekanne durch die Sitzreihen und füllt die Tassen und Gläser der Gäste auf. Die Hostels bieten meistens gratis heisses Wasser. Im Holly’s Hostel in Chengdu stehen bei der Reception Thermoskrüge. Die Gäste können jeweils ihren kalten oder leeren Thermoskrug wieder gegen einen neuen eintauschen.
Kaltes Wasser ist teuer
Sam und ich kaufen oft Wasserflaschen zur Erfrischung und um damit die Zähne zu putzen. In den Einkaufsläden bekommt man oft nur Halbliter Wasserflaschen. Grössere Flaschen muss man richtig suchen. Am ehesten finden wir sie neben den Hostels bei den kleinen Strassenverkaufsständen. Diese Flaschen kaufen wohl nur Touristen. Sie sind dann auch mehr als doppelt so teurer wie 1.5 Liter Migros-Budget-Wasser. Am Anfang verstanden wir das gar nicht, bis Ying uns dann aufklärte: Die Chinesen trinken nur warmes Wasser. Wer im Restaurant Wasser bestellt, bekommt ein dampfendes Glas. Ying fand es komisch, dass sie in Europa immer kaltes Wasser bekommen habe. Vor allem am Morgen vertrage es ihr Magen gar nicht.
Auch im Sommer trinkt man hier heissen Grüntee. Nach chinesischen Fünf-Elementen-Lehre soll der Grüntee kühlend wirken.

Teehäuser
Einige chinesische Legenden behaupten, dass die Chinesen den Tee “erfunden” hätten. Das heisse Getränk gehört auf jeden Fall seit Tausenden von Jahren zur Kultur. In den zahlreichen Teehäusern treffen sich die Leute zum Plaudern und zum Spielen. Während der Kulturrevolution zerstörten übermotivierte Jugendliche viele Teehäuser. Unter Mao galten sie als bürgerlich, ein richtiger Kommunist gab sich nicht einer solcher Zeitverschwendung hin. Mit der Zerstörung der Teehäuser verloren damals viele ältere Menschen ein Stück Heimat. Vor einigen Jahren öffneten die Teehäuser wieder ihre Türen und die gemütliche Tradition fand ihren Weg zurück in die Gesellschaft.





















Interessanter Bericht und sehr schöne Fotos!
Das Verhältnis der Chinesen zu ihrem Tee war mir bekannt, dass man aber kein kaltes Wasser bekommt war mir neu. Klasse, schon wieder was gelernt.
Wircklich ein sehr schöner Bericht.
Schreibt doch nachher ein E-book aus eurern Beiträgen und Erlebnis, ich würde es mit grossem Interesse lesen!
Danke für Eure Feedbacks. Das freut mich sehr und motiviert mich sehr noch mehr Hintergrundberichte zu schreiben, finde ich selber auch sehr spannend.