Unfreiwilliger Spitalbesuch

Unvergessliche 600 km durch das Zentralgebirge von Vietnam sass ich auf dem Rücksitz eines Motorrades. Sam hockte auf einem anderen “Easy-Rider-Vehikel”. Der Wind umwehte uns und brachte Erfrischung bei diesen heissen Temperaturen und mir eine Blasenentzündung.
Als Kind wurde ich oft von solchen Entzündungen geplagt, seither nicht mehr. In unserer Reiseapotheke fehlte deshalb ein Medikament gegen Zystitis.
Wie behandeln?
Ich googelte “Blasenentzündung” und fand ein Rezept dagegen: Wird mit Antibiotika behandelt. Um an solche Drogen zu kommen, braucht es in der Schweiz bekanntlich ein Arztzeugnis. Ich hatte keine Ahnung, wie das in Vietnam läuft. Man geht ja eh nicht gerne zum Arzt und erst recht nicht in einem fremden Land…
Apotheken suchen
Ich erkundigte mich im Hostel nach einer Apotheke. Mit dem Kreuzchen auf dem Stadtplan marschierten Sam und ich los. Wir fanden an der angekreuzten Stelle ein paar kleine Shops, die irgendwelche Medikamente verkauften. Ich zeigte den Verkäuferinnen in meinem iPhone-Wörterbuch “viem bang quang”, die vietnamesische Übersetzung von Blasenentzündung rief bei den Verkäuferinnen nur Kopfschütteln hervor und eine Handbewegung in irgend eine Richtung.
Ein Rezept muss her
Schliesslich standen wir vor einem Spital, im Vorhof befand sich eine Medikamentenausgabe. Dort stellte ich mich in die Warteschlange. Beim Auskunftsfenster angekommen fragte ich als Erstes: “Do you speak english?” Ich erntete wieder Kopfschütteln und ein Handzeichen zu ihrer Kollegin ein Fenster weiter. “Do you speak english?” Diesmal ein anderes Zeichen. Die junge Dame zeigte mit Daumen und Zeigefinder, dass sie ein wenig Englisch verstehe. Ich streckte ihr wieder meine Übersetzung hin und fragte, ob sie mir ein Medikament gegen meine “viem bang quang”geben könne. Kopfschütteln, Handzeichen und ein Wort Englisch: “Doctor”. Der Doktor wurde unausweichlich.
Zweite Hilfe
Am nächsten Schalter kauften die Leute blaue Büchlein, die sie mit ihrem Namen beschrifteten. Der alte Mann hinter dem Fenster erweckte nicht den Eindruck, dass er Englisch spricht. Was soll ich ihm sagen? Ich wurde hier hingewiesen. Ein junger Mann im weissen Kittel lief an mir vorbei: “Excuse me, do you speak english?” Auch diesmal kein Nicken. Doch kurz darauf kam eine junge Frau auf mich zu und bat mich auf Englisch mitzukommen. Aufatmen. Sie besorgte mir dieses Büchlein und brachte mich schliesslich in ein Zimmerchen. Darin sassen noch andere Patienten und ein Arzt hinter einem Tisch, seine Sekretärin vor dem Computer. Meine helfende Dame verschwand schnell wieder.
Werde an die Leine genommen
Nach längerem hin und her zwischen Arzt und seiner schreibenden Arztgehilfin fragte er etwas auf Vietnamesisch. Ohne Ahnung was er sagte, strecke ich ihm mein iPhoner-Wörterbuch hin. Er las es ohne Reaktion. War das die Antwort auf seine Frage? Schweigen und Blättern in irgendwelchen Unterlagen. Eine weitere junge Frau im Kittel wurde herbei gezogen. Man drückte ihr mein Heft in die Hand und gab ihr Anweisungen. Sie nahm mich sanft am Arm und führte mich quer durchs Spital zum nächsten Posten.
Ultraschall
Am nächsten Schalter knöpften sie mir ohne Erklärung 600′000 Dong ab. Kann man in einem Spital auch feilschen? Mein “Frauchen” setzte mich auf eine Bank, liess mich dort eine Weile warten, holte mich wieder und brachte mich in einem weiteren Raum. Eine Liege und ein paar Apparate standen dort. Ein Mann stand gerade von der Liege auf und putzte sich noch den Bauch mit Papiertüchern, während ich mich bereits auf das Bett legte. Ein junger Arzt untersuchte mich mit Ultraschall. Er konnte ein wenig Englisch: “Pain?” – “yes”. “Fiever” – “No”. “How many Days?” – “Two”. Und schon wurde ich mit ein paar Ultraschallbildchen entlassen.
Die junge Frau übernahm wieder meine Führung durchs Krankenhaus bis zur nächsten Toilette. Sie drückte mir ein kleines Gläschen in die Hand. Klar aber schwierig: Auf einem Stehtklo urinieren und dabei die kleine Öffnung eines Gläschen treffen.
Kurz vor dem Ziel
Als ich auch diesen Posten bestanden hatte ging es wieder zurück ins erste Zimmer, zu Arzt mit Sekretärin. Er drückte noch etwas auf meiner Blase herum, füllte ein Formular aus und schickte nun seine Sekretärin höchst persönlich mit auf meinem weiteren Weg.
Der Kreis schloss sich bei der Medikamentenausgabe. Die junge Dame mit ihrem “little english” war nun gewillt mir grosszügig Medikamente abzugeben. Mit Filzstift schrieb sie mir die Dosis auf die Tablettenverpackungen.
Riesiger Medikamentenmix
Fünf verschiedene Tabletten bekam ich, die ich alle zwei- bis dreimal am Tag schlucken muss. Ein unglaublicher Medikamentenmix. Haben sie beim Ultraschall sonst noch ein paar Dinge für die Reperatur gefunden? Später recherchierte ich im Internet, welche Drogen ich bekommen hatte. Die Links zu den Medikamentennamen waren auf Vietnamesisch, also suchte ich anhand der Inhaltsstoffe. Eine Tablette beinhaltet ein Antibiotika gegen Blasenentzündung, eine zweite ist auch gegen Blasenbeschwerden. Die dritte Pille ist gut für die Nieren, kann nach meiner nierengürtelfreien Motorradfahrt auch nicht schaden.
Bei der vierten Tablette stiess ich auf den Begriff: Reisekrankheit. Falls es ein Medikament für alle Krankheiten gäbe, die man sich beim Reisen holt, wäre das natürlich ein Wundermittel. Ich beschloss mich jedoch diese Pillen nicht zu schlucken.
Meine Suchergebnisse für den Inhaltsstoff im fünften Medikament ergaben für mich gar keinen Sinn mehr: Zum Weiten der Pupillen oder zur Beruhigung von hyperaktiven Geisteskranken… Sam war auch einverstanden, dass ich dieses Medikament nicht einnahm.
Blase geflickt
Vor einer Stunde habe ich meine letzten drei Tabletten geschluckt. Die Schmerzen sind weg und ich fühle mich wieder gesund. Blaues Büchlein, Ultraschall und Medikamente kosteten mich etwa 80 Franken, was ich viel finde. Während meinen Zahlungen im Spital wedelten die Leute neben mir immer nur mit kleinen Scheinen. Entweder haben sie Spezialpreise für Ausländer oder meine charmante eins-zu-eins Begleitung war so teuer. Keine Ahnung. Ich bin auf jeden Fall dankbar für die schnelle Hilfe.



















Schön, dass Du wieder gesund bist, Judith. Was habt Ihr bei der Töfffahrt sonst noch erlebt?
Danke für Dein Intresse. Wir sind im bloggen nicht so schnell wie im Reisen, obwohl wir eigentlich sehr langsam reisen. Material zu unserem Töfftour folgt noch.
Jaja, Asien und die lieben Medikamente und Antibiotikas
Was mich überraschte, dass sie euch die Verpackung mitgaben. Ich bekam jeweils einfach die einzelnen Tabletten in einem Plastiksäckchen. Da wusste ich nie genau, was es war. Aber es hat jedes Mal geholfen
Falls mal wirklich was ernstes sein sollte, kann ich euch das Bangkok Hospital in Phuket oder Bangkok empfehlen. Selber kenne ich nur jenes in Phuket. Ist topmodern eingerichtet und sie haben für diverse Sprachen Übersetzter vor Ort.
@diverix Sie haben mir die Medikamente auch nicht mit den Schachteln gegeben, aber im Aluminium verpackt. Auf dieser Verpackung steht der Name des Medis, welcher mis meistens nicht weiterbrachte, aber unter dem Namen stand jeweils noch ein bis zwei wichtige Inhaltsstoffe, die habe ich dann gegoogelt.
Von Bankok haben wir auch gehört, wenn es also etwas Gröberes geben würde, wäre das etwa die nächste Anlaufstelle. Wir haben dort auch eine Adresse von einem Zahnarzt. Soll eine super Klinik sein: internationale Standarts aber günstige Preise und das Person gibt alles dafür, dass die Patienten möglichste keine Schmerzen haben. Vielleicht werden wir dort für eine Zahnkontrolle und Hygiene vorbei gehen.