Wenn Obama nicht geht, gehen wir auch nicht

Vorgestern sah der Titel in meinem Kopf noch schöner aus: “Wenn Obama nicht geht, dann gehen wir.” Wegen einer Debatte hier in China, im Vorfeld des Besuchs von Präsident Obama, überlegten wir uns, doch nach Tibet zu gehen:
Die Debatte
Das Aussenministerium in China erinnerte Barak Obama an seine Wurzeln als schwarzer Präsident. Als Verehrer von Abraham Lincoln, der die Sklaverei in der USA abschaffte, müsse er die Haltung der chinesischen Regierung gegenüber dem Dalai Lama doch verstehen.
Sklaverei im Tibet
Vor dem Einmarsch der Kommunisten im Tibet, habe es dort ein ausgeprägtes Leibeigenschafts- und Sklavensystem gegeben. Die Chinesen sind stolz darauf, die Unterdrückten davon befreit zu haben.
Wenn ich nach diesem Thema im Internet recherchiere, finde ich nur wenige Artikel dazu. Zum Beispiel greift eine Kommunistische Partei in Deutschland das Thema auf. Oder in Foren versuchen Leute den “verklärten Blick der Westler auf Tibet” wegzunehmen.
Wir trafen hier in China jedoch ein Schweizer Paar, welches in Tibet war. Sie erwähnten die Abschaffung der Sklaverei als einen positiven Punkt der Veränderung im Tibet.
Obama will Dalai Lama treffen
US-Präsident Obama wollte im Oktober den Dalai Lama treffen. Seine Berater empfahlen das Treffen auf später zu verschieben, auf nach seiner Asienreise und sein Treffen mit dem chinesischen Präsidenten.
Obama soll nach Tibet gehen
Gemäss der Zeitung “China daily”, eine englischsprachige Zeitung in Peking, sprachen sich 90% der Chinesen gegen ein Treffen Obama’s mit dem geistlichen Oberhaupt Tibets aus. Ein Chinese forderte Obama auf, Tibet zu besuchen und “uns nachher zu erzählen, ob seine Meinung über Tibet immer noch die gleiche sei.”
Selber ein Bild machen?
Im ersten Moment dachten wir also, wenn Obama nicht geht, dann gehen wir und machen uns selber ein Bild über Tibet. Das sind ja gute Absichten, aber es ist gar nicht so einfach.
Wer nach Tibet reisen will, braucht eine Extra Bewilligung. Es braucht mindestens fünf Tage, diese über ein Reisebüro einzuholen (Obama hätte in seinem kurzen Aufenthalt hier also gar keine Chance gehabt;-) ).
Keine Individualreisende
Trotz Erlaubnis darf man nicht auf eigene Faust nach Tibet reisen. Man muss sich einer Gruppe anschliessen und kann nur geführte Tours machen. Es gibt immer wieder Geschichten von Leuten, die es doch irgendwie alleine schaffen, aber ohne Bestechung oder ähnliches ist es nicht möglich, und ob das den Tibetern dient, ist eine andere Frage.
Neben der Einreiseerlaubnis muss man Fahrer und Reiseleiter bezahlen. Diese Tours werden auf diesem Weg sehr teuer. In Tibet zu reisen ist also fast zehn mal so teuer wie individuelles Reisen an anderen Orten in China.
Korruptes Tourismussystem?
Wir überlegten uns, ob wir dieses Geld ausgeben sollten, um Tibet doch noch zu sehen. Es geht hier nicht nur im politische Fragen, wie ich in einem Reiseforum gelesen habe (der Autor wohnt in Peking und scheint China sehr gut zu kennen):
Das Problem ist ein riesiges, korruptes Tourismussystem. Das gilt in ganz besonderem Masse für Reisen nach Tibet, weil die Regierung die Touristen zwingt, Touren zu buchen. Auch offiziellem Weg kommst du da nicht drum rum.
Ab in den Süden
Solche Argumente lassen mich im Moment von einer Tibetreise absehen. Klar, es wäre spannend, sich ein Bild vor Ort zu machen. Aber da brauchst Du viel Zeit und Kontakt zur Bevölkerung dort. Und mit einer solchen geführten Tour sind solche Dinge nicht möglich.
Was ich nicht verstehe: Wenn die Chinesen so stolz auf den Fortschritt sind, den sie nach Tibet bringen, warum machen sie es uns so schwer, uns selber ein Bild davon zu machen?
Wie nehmt ihr das Thema “Reisen nach Tibet” wahr?


QUOTE: Wenn ich nach diesem Thema im Internet recherchiere, finde ich nur wenige Artikel dazu.
Trotz VPN-Tunnel? In China über China und Tibet zu recherchieren könnte tatsächlich mehr Fragen als Antworten aufbringen.
Unter “free tibet” finde ich bei Google 39,100,000 Seiten. Unter “human rights” sind 121,000,000 Einträge zu finden. Wie sieht das Resultat in .cn aus? “Find human rights on Ebay”? Habe mit chinachannel.hk versucht, aber leider keine Verbindung hingekriegt.
Ich suchte durch den Tunnel nach dem Thema Tibet und Sklaverei. Und diese beiden Begriffe zusammen ergeben bei einer kurzen Recherche nicht viel her. Klar unter Free Tibet oder Menschenrechte. Und ich habe auch bereits früher sehr viel gelesen darüber. Die Tibeter werden sehr kontrolliert hier und wahrscheinlich auch unterdrückt, wie gesagt, ich konnte mir selber kein Bild darüber machen.
Aber was, wenn die westlichen Medien auch völlig einseitig berichten? Wenn es stimmt, dass in Tibet ein absolutes Feudalsystem war und 90% der Leute Leibeigene? Vielleicht ist das die andere Seite der Medaille. Die westlichen Medien sind auch nicht wirklich neutral. Deshalb wäre es ebeb doch spannend gewesen, selbst hinzugehen. Vielleicht wird es irgendwann einfacher, spätestens wenn Tibet genug angepasst ist:-(
versteh mich nicht falsch, will nicht die Chinesen und menschenverachtende Methoden in Schutz nehmen, aber auch keine Sklaverei.
Tibet würde entweder untergehen, würde es “frei” kommen von China – oder sich touristisch prostituieren lassen. Was sie brauchen, ist Religionsfreiheit und Schutz ihrer Kultur/Sprache, kein Abnabeln.
Aber bezüglich Tourismus-Korruption: man müsste hier vielleicht anmerken, dass Tibet viel grösser ist, als das Gebiet, dass offiziell als Provinz den Namen “Tibet” trägt. In den Teilen von Tibet, die nicht Tibet heissen, ist es kein Problem zu reisen, man braucht kein Permit etc. Wer also Tibet sehen will ohne Permit-Maschinerie, hat viele Möglichkeiten. Beispielsweise Shangri-La mit ca 80% (?) tibetische Bevölkerung. Oder die Provinz Qinghai (nördlich der Provinz Tibet).
Warm anziehen muss man sich aber wohl trotzdem